Wenn eine Tierklinik den Klinikstatus abgibt

Wenn eine Tierklinik den Status verliert – was es bedeutet

Am 13. Juni 2025 habe ich begonnen, Missstände in der tierärztlichen Versorgung öffentlich zu dokumentieren. Zwei Monate später, am 18. August, veröffentlichte eine Tierklinik auf ihrer eigenen Homepage, dass sie ihren Klinikstatus nicht mehr führt. Ob dieser Schritt freiwillig erfolgte oder auf behördliche Auflagen zurückgeht, ist von außen nicht erkennbar – doch sichtbar ist: Strukturen verändern sich, wenn genau hingesehen wird.

Der Auslöser: Dokumentation von Missständen

In meinem Buch Im Namen der Tiere schildere ich reale Notfälle, juristisch geprüft und anonymisiert. Einer dieser Fälle betraf meine Hündin Devi. Die begleitenden Erfahrungen mit tierärztlicher Behandlung, mit der Tierärztekammer und den zuständigen Behörden haben mir gezeigt: Schweigen hilft nicht – aber Dokumentation kann Wirkung entfalten.

Seit Juni 2025 habe ich alle Beobachtungen schriftlich festgehalten und an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Dieser Weg ist mühsam, doch er sorgt dafür, dass Verantwortliche reagieren müssen.

systemkritische Bücher

Was bedeutet es, wenn eine Tierklinik den Status verliert?

Der Titel „Tierklinik“ ist kein beliebiges Etikett. Er wird nur verliehen, wenn höchste Anforderungen erfüllt sind:

  • 24-Stunden-Notdienst,

  • Fachärzte rund um die Uhr,

  • vollständige medizinische Ausstattung.

Wenn eine Tierklinik diesen Status abgibt, zeigt das, dass diese Voraussetzungen nicht mehr dauerhaft eingehalten werden können oder dass Auflagen greifen. Für Tierhalter ist das ein wichtiges Signal: Man sollte genau hinschauen, ob eine Einrichtung die zugesicherte Versorgung tatsächlich gewährleisten kann.

Warum Dokumentation wirkt – ein Erfahrungsbericht

Das Abgeben des Klinikstatus nur wenige Wochen nach Beginn meiner öffentlichen Dokumentation zeigt mir: Aufklärung bewegt etwas. Auch wenn keine unmittelbare Kausalität bewiesen werden kann, bleibt festzuhalten: Eine Tierklinik verändert ihre Strukturen, sobald Missstände sichtbar gemacht werden.

Dieser Prozess ist kein Angriff auf Einzelpersonen, sondern ein Schritt hin zu mehr Transparenz im System. Denn nur wenn Fehler offen angesprochen werden, können Tierhalter künftig besser geschützt werden.

Was Tierhalter jetzt tun können

Wenn ein Tier leidet, fühlen wir uns oft hilflos. Doch genau in diesen Momenten haben wir mehr Handlungsmöglichkeiten, als wir zunächst glauben. Jeder einzelne Schritt, den wir als Tierhalter dokumentieren, kann später den Unterschied machen – für unser Tier, für uns selbst und für andere, die ähnliche Erfahrungen durchleben.

Dokumentieren: Schreibe alles auf. Symptome deines Tieres, Uhrzeiten, Gespräche mit dem Personal, Diagnosen, Behandlungsabläufe und auch die Rechnungen. Jede kleine Notiz zählt. Was heute wie eine Nebensache wirkt, kann morgen ein entscheidender Beleg sein.

Akte anfordern: Du hast ein Recht auf die vollständige Patientenakte – und jede Tierklinik ist verpflichtet, diese herauszugeben. Sie gehört nicht der Klinik, sondern ist ein Teil der Behandlungsdokumentation deines Tieres. Nur mit dieser Akte kannst du nachvollziehen, welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen wurden.

Fragen stellen: Habe keine Angst, kritisch nachzufragen. Wenn Einträge unvollständig wirken oder dir etwas unlogisch erscheint, fordere eine klare Antwort. Nur wer fragt, erhält Transparenz – und manchmal zeigt sich erst durch hartnäckiges Nachhaken, wo Strukturen brüchig sind.

Behörden informieren: Tierärztekammer und Veterinäramt können nur dann tätig werden, wenn sie konkrete Belege haben. Deine Dokumentation ist die Grundlage dafür. Jede Beschwerde, die mit Nachweisen untermauert ist, erhöht den Druck auf das System, genauer hinzusehen und nachzubessern.

Warum Schweigen keine Option ist

Dass eine Tierklinik ihren Status abgibt, ist mehr als nur eine formale Änderung. Es ist ein sichtbares Zeichen: Auflagen sind bindend, Transparenz ist keine Option, sondern Pflicht. Und es zeigt auch: Wenn Tierhalter hinsehen, dokumentieren und nicht schweigen, dann kann Veränderung entstehen.

Genau aus diesem Grund schreibe ich. Und deshalb habe ich Im Namen der Tiere veröffentlicht: als Mutmacher, als Orientierung, als Werkzeugkasten. Damit niemand mehr das Gefühl haben muss, allein gegen ein System zu stehen.

Wenn dich dieses Thema bewegt, findest du im Buch Im Namen der Tiere rechtliche Grundlagen, Fallberichte und Mustertexte für deine eigene Dokumentation.